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Produktdetails

Titel: Königin bis zum Morgengrauen

Autor/en: Paul Grote

EAN: 9783423423403

Format: 

EPUB

Kriminalroman.

dtv Verlagsgesellschaft

22. August 2014 – epub eBook – 416 Seiten




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    Preis des Buches:

    Beschreibung

    Der Tod der Weinkönigin
    Gestern noch strahlende Siegerin bei der Wahl, heute findet man die fränkische Weinkönigin tot in einer Würzburger Diskothek, gestorben an einer Drogenüberdosis. Motiv und Hergang der Tat geben der Polizei Rätsel auf. Nicolas Hollmann hat sich seinen Urlaub in Franken eigentlich anders vorgestellt. Mit seiner Familie auf Verwandtenbesuch in Würzburg wollte er, Besitzer eines Weinguts am Rio Douro, während der Ferien mehr über Weißwein und dessen Anbau erfahren. Doch nun wird er von verschiedenen Seiten bedrängt, bei seinen Winzerbesuchen Hintergründe des Falls zu recherchieren. Und tatsächlich stößt er auf alte Feindschaften …

    Portrait

    Paul Grote berichtete fünfzehn Jahre lang als Reporter für Presse und Rundfunk aus Südamerika. Seit 2003 lebt er als freier Autor in Berlin. Sein Gespür für Wein, sein Wissen und seine Erfahrungen spiegeln sich in allen seinen Krimis wider.

    Leseprobe

    Kapitel 1

    So konnten sie unmöglich weitermachen. Er hatte sich das alles ganz anders vorgestellt – obwohl Rita ihn gewarnt hatte. Aber anscheinend musste er ihre Familie selbst erleben, um zu verstehen, was sie aus Würzburg vertrieben hatte. Nicolas hatte versucht, sie zu besänftigen, er hatte vermitteln und die Parteien auseinanderhalten wollen, was auf ganzer Linie gescheitert war. Rita hatte seine Vermittlung in ihrer Wut als gegen sie gerichtet empfunden, als wolle er ihr in den Rücken fallen, statt bedingungslos Partei für sie zu ergreifen. Aber genau das hatte sie von ihm erwartet, nicht mehr und nicht weniger – ja, sogar verlangt.

    »Du stehst auf ihrer Seite!« Rot vor Zorn war sie gestern geworden, messerscharf waren die Worte gekommen, er hätte sich verletzt zurückziehen können, aber verletzt war sie, das hatte er in diesem Moment begriffen, nichts von den alten Konflikten war geklärt.

    Vor der Reise war ihm das Ausmaß des Zerwürfnisses nicht klar gewesen. Dass da etwas schwelte, dass auch nach zehn Jahren Abstand noch Glut unter der Asche war, das wusste er, Rita hatte nie einen Hehl aus dem miserablen Verhältnis zu »ihren Leuten«, wie sie die Familie nannte, gemacht. Dass jedoch ein Windhauch genügte, um die Glut in prasselnden Flammen aufgehen zu lassen, hatte er nicht geahnt. Hätte er das schon vorher begriffen, wäre er nie und nimmer hergekommen, er hätte die Reise nach Würzburg niemals angetreten. Er hätte wie immer seine Kunden besucht und wäre wieder nach Hause geflogen.

    Rita war eine durch und durch selbstständige Frau, und das schätzte er an ihr. Sie traf ihre Entscheidungen ruhig und überlegt, sie holte seinen Rat ein und auch den anderer, in Bezug auf die Beurteilung von Menschen besonders den von Otelo. Ihr provador, eine Art Weinmeister und di
    e Nase seiner Quinta, war für sie zu einem Mischwesen aus Vater und Großvater geworden, und so hatte sie ihre kleine Agentur für Weinreisen durch Portugal innerhalb von fünf Jahren Schritt für Schritt aufgebaut und auf stabile Beine gestellt, seit einiger Zeit mithilfe seines Freundes Happe. Jetzt begannen beide, ihren Wirkungsbereich mithilfe von Henry Meyenbeeker nach Spanien auszudehnen. Der Journalist kannte so ziemlich jede gute Kellerei auf der Iberischen Halbinsel. Er war eine große Hilfe für Rita.

    Sie konnte Argumente abwägen, sie schätzte Widerspruch  – aber nicht den ihrer Eltern! Bei Ulrike und Hans Berthold schwang bei jedem Wort ein Vorwurf mit, etwas Beleidigtes, Gekränktes, weil ihre Tochter anders geworden war als sie, das Gegenteil von dem, was sie sich gewünscht hatten.  Aber was hatten sie sich gewünscht? Und auch er, der Schwiegersohn, war alles andere als ein Wunschkandidat. Unter finanziellen Gesichtspunkten schien er der lange ersehnte Glücksfall zu sein, aber da sich seine Einstellungen mit  denen ihrer Tochter deckten, spürte er hinter der aufgesetzten Freundlichkeit eine tiefe Missbilligung und jene Überheblichkeit, die er als die Verbitterung der Zukurzgekommenen interpretierte. Offene Verachtung hatte Ritas Vater ihm nur gezeigt, als ihm klar wurde, dass man mit ihm nicht einen einzigen Satz über Fußball wechseln konnte, nicht einmal über den FC Bayern München, geschweige denn über den FC Porto. Und Wein war für Berthold kein Thema.

    »Ich bin aus Ulm  – und da trinkt man Bier!« Irgendein Stolz und der bayerische Akzent schwangen mit.

    Nicolas Hollmann wälzte sich auf die linke Seite, vergrub den Kopf im Kissen, legte eine Hand über das freie Ohr, um die zankenden Stimmen, die von unten heraufschallten, nicht hören zu müssen. Aber die Hand rutscht
    e herunter, und er hatte wieder die spitzen Stimmen der beiden Frauen in seinem Kopf. Mutter und Tochter. Er sah sie vor sich, unten am Küchentisch, beide einen Kaffee in der Hand, beide im Morgenmantel, und es vergingen keine zehn Minuten, bis sie sich wieder in der Wolle hatten. Rebecca hatte es nicht ausgehalten, war sofort wieder raufgekommen und zu ihm ins Bett gekrochen. Auch ihr war diese Situation unmöglich zuzumuten, zumal die Frau, die von ihr »Oma« genannt werden wollte, eine völlig fremde Person war, deren Zärtlichkeiten – für sie Zudringlichkeiten – sie sich konsequent entzog. Frau Berthold begriff das nicht und war natürlich beleidigt, sie war es eigentlich immer. Vier Tage kannte sie das kleine Mädchen persönlich und erwartete kindliche Liebe, oder das, was sie dafür hielt. Und er sollte sie »Mutter« nennen? Dabei waren Ritas Eltern nicht einmal zu Rebeccas Geburt auf ihrem Weingut am Rio Douro erschienen, obwohl sie ihnen die Flugtickets hatten spendieren wollen. Die Begründung war, natürlich durch die Blume, dass Rita und er weder standesamtlich noch kirchlich verheiratet seien und das Kind nicht von einem Priester taufen lassen wollten.

    Wahrscheinlich streiten sie wieder mal über dieses Thema, dachte Nicolas und konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt mit einer derart üblen Laune den Tag begonnen hatte. Nicht einmal Dauerregen zur Weinlese deprimierte ihn so sehr. Er spürte plötzlich, wie Rebecca seine Hand vom Ohr wegzog und ihn anpustete. Er mochte es nicht, es kitzelte, sie liebte es, zumal er heftig reagierte, und sie lachte ihn an.

    »Holst du mir Kakao?«

    »Hast du dir die Zähne geputzt?«

    Rebecca kletterte aus dem Bett und rannte ins Badezimmer. Nicolas brauchte etwas länger, um sich in dem kleinen  Raum den Bademantel überzuziehen. Die Enge dieses
    Einfamilienhauses war der räumliche Ausdruck der hier herrschenden geistigen Verhältnisse. Doch solche Gedanken behielt er tunlichst für sich, er wollte die Gastgeber nicht beleidigen und Rita nicht zusätzlich verletzen. Aber war man selbst nicht immer der Maßstab seiner Welt? Rita und er lebten mit ihrem Kind hoch auf dem Berg, traten morgens auf die Terrasse ihres Hauses und hatten den Himmel über sich, den Fluss unter sich, die Weinberge um sich, und unweigerlich zog ein Lächeln auf seine Lippen, wenn seine Tochter auf die Brüstung kletterte und sich an ihm festhielt. So erlebten sie den Sonnenaufgang, wenn dort, wo der Fluss herkam, die Sonne über den Horizont stieg und ihr Feuer über die gewaltigen Berge und die Rebstöcke schüttete. Wie ihm das fehlte, merkte er hier bereits nach wenigen grauen Tagen, obwohl es in dieser Jahreszeit auch in Portugal nicht besonders warm war, aber zumindest war es wärmer als hier im kalten Nieselregen.

    Mit aufgesetztem Lächeln trat er in die Küche und legte Ritas Mutter freundschaftlich die Hand auf die Schulter, was ihm im Gegenzug ein kaltes Lächeln eintrug, das sofort wieder in sich zusammenfiel und Rita verblüfft dreinschauen ließ. Ein Augenzwinkern stellte alles klar.

    »Ein Glas Kakao fürs liebe Kind«, sagte er und ging zum Kühlschrank.

    Sofort sprang Frau Berthold auf. »Der muss aber warm gemacht werden. Kalte Getränke sind für Kinder ungesund!« Wieder stand ein Vorwurf im Raum. Sie riss ihm die Milchpackung aus der Hand.

    »Aber sicher doch.« Was für ein beschissener Morgen, dachte Nicolas, lächelte weiter und beschwichtigte Rita, die bereits zur Entgegnung ansetzte, mit seinem Blick. Da sie ständig mit Reisegruppen von Weinenthusiasten unterwegs war, hatten Dona Firmina, ihre Haushälterin, und Otelo, sein Lehrmeister in den Dingen d
    es Lebens, die Stelle der Großeltern übernommen und sich mehr um Rebecca kümmern können. Und wenn sie nicht im Kindergarten in Peso da Régua war, begleitete sie ihn, im Keller, im Weinberg oder im Büro. Rebecca. Während er auf das Ceranfeld mit dem Milchtopf starrte, erinnerte er sich an die erste Reaktion der Großeltern.

    »Rebecca  – ist das nicht ein jüdischer Name?« Der vorwurfsvolle Unterton war nicht zu überhören gewesen.

    »Nein, alttestamentarisch«, hatte er geantwortet und hätte  den Telefonhörer erwürgen können. Da waren ihm die Gleichgültigkeit seines Vaters und die aufgeregte Freude seiner selbstverliebten, seit zwanzig Jahren mit einem neuen Mann verheirateten Mutter lieber. Er wusste, dass er von beiden außer Geld nichts zu erwarten hatte. Immerhin etwas.

    »Übrigens habe ich meine Beziehungen spielen lassen«, sagte Frau Berthold und reckte wichtigtuerisch den Kopf, drehte ihn leicht zur Seite, riss die Augen auf und machte mit ihren schmalen Lippen einen spitzen Mund. »Ich habe dir etwas verschafft, mein lieber Nicolas, was nicht einmal ich mir bisher geleistet habe: eine Einladung zur Wahl der Fränkischen Weinkönigin!« Jetzt nickte sie zur Selbstbestätigung zweimal langsam. »Du wirst zur Jury gehören! Ich hätte keine bekommen, da ich nichts von Wein verstehe, aber da du sozusagen mein … äh … Schwiegersohn bist und ein wichtiger ausländischer Weinproduzent, ist das was anderes.«

    »Und ich?«, fragte Rita. »Für mich hast du keine Karte?«

    »Kindchen, wieso sollte jemand wie du unsere Weinkönigin wählen?«

    Rita hasste es, wenn sie »Kindchen« genannt wurde.

    »Du hast ja nichts mit Wein zu tun, du bist ja nur Reiseleiter
    in. Aber Nicolas, der wird schon beurteilen können, was gut ist für unser Frankenland, wen er zu wählen hat, nicht wahr, Nicolas? Unsere Kandidatin ist Anneliese aus Escherndorf, Anneliese Fünfinger! Ich hoffe, du wählst richtig. Ich werde natürlich unter den Zuschauern sein. Ich habe mir eine Besucherkarte geleistet.« Jetzt heischte sie nach Dankbarkeit und nach einer Umarmung.

    »Toll!« Nicolas gab ihr beides, der Kakao war heiß, und er konnte sich zurückziehen.

    Sie konnten hier nicht bleiben, es käme über kurz oder lang zum Muttermord, davon war Nicolas überzeugt. Er selbst sah die Situation wesentlich…

    Technik

    Dieses eBook wird im epub-Format geliefert und ist mit einem Wasserzeichen versehen.
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